27. März 2012

IKW-Interview mit Heidrun Zimmermann

Heidrun Zimmermann, studierte Verlagswirtin und zweifache Mutter, betreibt in Stuttgart mit ihrem Ehemann die Kunstgalerie GALERIE Z und arbeitet parallel als Herstellerin beim Kunstbuchverlag Hatje Cantz in Ostfildern. Grund genug für unser Institut ein kurzes Interview mit Frau Zimmermann zu führen, da sie gleich in zwei Teilbranchen der Kreativwirtschaft zuhause ist.


IKW: Liebe Frau Zimmermann, schön, dass Sie die Zeit für ein kurzes Interview gefunden haben. Sie arbeiten aktuell in gleich zwei Branchen der Kreativwirtschaft. Ist Ihnen der Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft schon einmal begegnet?
HZ: Obwohl ich mich als Teil der Kreativbranche sehe und wir auch schon einige Projekte zusammen mit den Kreativen der Stuttgarter Wagenhallen realisiert haben, ist mir der Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft  als separater Wirtschaftszweig noch nicht begegnet.

IKW: Sie sprechen von Kooperationen innerhalb der Kreativbranche, sind Ihnen noch andere Kooperationen bekannt, oder sind Sie aktiv auf der Suche nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit?
HZ: Zwischen Galerie und Kunstbuchverlag auf jeden Fall. Unser Verlag fungiert größtenteils als Dienstleister für Museen und Galerien, denn deren Ausstellungskataloge sorgen für den größten Umsatzanteil für den Verlag. Ansonsten sind mir aus Herstellersicht keine weiteren Kooperationen mit regionalen kreativschaffenden bekannt. Als Galerie streben wir aber schon danach, Kooperationen um gemeinsame Veranstaltungen oder Projekte zu fördern.

IKW: Sprechen Ihre Galerie und die Bücher des Hatje Cantz Verlags gleiche Zielgruppen an und lassen sich dadurch Synergien ableiten?
HZ: Überwiegend schon. Zuletzt waren wir bei einem unserer Galerie-Kunden zuhause - dort musste ich allerdings feststellen, dass er leider mehr Kunstbücher unseres Konkurrenten im Regal stehen hat, als welche von Hatje Cantz. Aber gerade die Vielfalt, die ein Verlag an Kunstrichtungen abdeckt, kann nur große Inspiration für Künstler und Galeristen sein. Die Synergien laufen aber eher unterbewusst und im Stillen ab.

IKW: Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Galerie und Kunstbuchmarkt?
HZ: Bei der Galerie die permanente Profilpflege, die ständige Suche nach neuen Impulsen und vor allem die Aufbauarbeit für gesetzte Künstler der Galerie. Das Konkurrenzdenken in der Branche ist sehr hoch und bedarf immer neuer Strategien um sich abzuheben. So ist der Gang zu Kunstmessen für uns obligatorisch, denn gerade junge Künstler müssen über die Grenzen Stuttgarts herauskommen. Gute Kunden erhalten auch einen guten Service, so kann es schon mal vorkommen, dass wir zu einem Private viewing direkt zu dem Kunden fahren. Das alles nach strengen wirtschaftlichen Gesichtspunkten auszuüben, ist gerade für uns Kreative eine große Herausforderung. Für den Kunstbuchmarkt gilt es immer noch adäquate digitale Technologien für großformatige und bildlastige Werke zu entwickeln.

IKW: Die technologische Entwicklung wirbelt den doch recht traditionsreichen Buchmarkt aktuell ziemlich auf. Sehen Sie auch technologische Weiterentwicklungen in der Galerieszene?
HZ: Nicht so deutlich wie in der Verlagswelt. Allerdings schießen gerade Online-Portale zur Selbstdarstellung für Kunstgalerien wie Pilze aus dem Boden. Die Angebote sind oft kostspielig und für kleine und mittlere Galerien dadurch noch schwer zugänglich. Da wir allgemein unseren Schwerpunkt auf figurative Malerei setzen, haben wir aktuell keinen großen Bedarf an interaktiven Ausstellungstechnologien und -methoden.

IKW: Welche Rolle spielen für Sie die sozialen Medien?
HZ: Der Verlag ist natürlich in allen sozialen Medien vertreten. Als Galerie haben wir einen Facebook-Account, allerdings habe ich nicht das Gefühl, dass sich unsere Zielgruppe über dieses Medium findet, da bedarf es schon etwas mehr Aufwand, wie z. B. persönliche Einladungen oder Messeauftritte, um wertvolle Kunden zu gewinnen. Wir sehen Facebook eher als Instrument fürs Empfehlungsmarketing an die breite Masse – hier denke ich an Termine für Vernissagen und laufende Ausstellungen. Zudem kann man es sich ja heute gar nicht mehr leisten keinen Account zu haben, da bei Facebook ja irgendwie gerade alle unterwegs sind.

IKW: Haben Sie schon einmal an die Integration von Kunden in den laufenden Betrieb von Galerie oder Verlag gedacht?
HZ: In der Herstellung ist mir das nicht bekannt, aber das ist ja auch der Jobs unser Vertriebs- und Werbeleute. In der Galerie schon eher, denn Kunden fragen immer mal wieder, ob wir nicht was von dem oder jenem Künstler haben. Allerdings sollte das schon in unser Galerienprofil passen. Insofern könnte der Kunde schon in gewisser Weise unser Programm mit gestalten, wenn die Vorstellungen nicht gegen unsere Überzeugungen gehen.

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