6. September 2011

RADIO DER ZUKUNFT

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Der Hörfunk ist hinsichtlich Kundenakzeptanz und Marktdurchdringung das Schlusslicht der Digitalisierung in Deutschland. Obwohl bereits vor 20 Jahren im Rahmen von DAB initiiert, zählt es nach Buch, Zeitung und TV zu den letzten der klassischen Medien, das sich umfangreichen Innovationsprozessen im Sinne der Digitalisierung unterziehen muss.


Im Fokus der ersten Einführung des digitalen Hörfunkstandards DAB stand die Radioübertragung in CD Qualität. Das Argument des gesteigerten Hörgenuss hat bei den Kunden jedoch wenig gezogen, DAB konnte bis dato nur etwa 500.000 Haushalte/Empfänger für sich gewinnen. Das analoge UKW-Netz blieb der de-facto Standard für die Hörfunkübertragung.
Heute, rund 20 Jahre später, sind die Anforderungen an die Bedürfnisbefriedigung moderner Nutzungsprofile deutlich gestiegen. Mobile wie auch stationäre Information und Unterhaltung sind geprägt durch das Web 2.0, Digital-TV, unzählige Endgeräte und vielfältige Zugangspunkte. Zudem sind Funktionen für Interaktion, Personalisierung und Sozialisierung von wachsender Bedeutung.

Mit Inbetriebnahme des DAB+ Standards zum 1. August 2011, ist ein erneuter Anlauf zur flächendeckenden, digitalen Erneuerung des Radios in Deutschland gestartet. Laut Branche bedarf es für die Etablierung von DAB+ in Deutschland etwa 15 Mio. Nutzer. Hinter dem Vorhaben stehen vor allem die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Die Süddeutsche Zeitung betitelt die Einführung des zwar digitalen aber klassisch, rein auf Empfang beschränkten, DAB+ als „Beleidigung der technischen Intelligenz“. Sie spricht, unter Berufung auf Branchenkreise, sowie aus Kundensicht, dem Standard DAB+ damit die Zukunftsfähigkeit ab und verweist auf die Potenziale mobiler Internettechnologien.

Folgerichtig konkurriert DAB+ mit weiteren Kundenoptionen für digitalen Hörfunk im deutschen und europäischen Markt. Dazu zählen vor allem Mobilfunkstandards wie UMTS (3G) und LTE (4G) sowie mobile, internetfähige Endgeräte wie Smart­phones und Tablets. Sie ermöglichen bereits heute einen weitestgehend flächendeckenden digitalen Empfang. Dabei bieten sie Nutzern Radio via Streaming, Einzelabruf von Sendungen und Podcasts wie auch sonst Zugriff auf das Internet. Gleiche Funktionen stehen den Kunden auch per flächendeckenden W-LAN Angeboten zur Verfügung. Die internetbasierten Übertragungstechnologien unterliegen jedoch noch deutlichen Kapazitätsgrenzen in der Versorgung hunderttausender, mobiler, gleichzeitiger Nutzer.

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